test
28.05.2009

Erhoffter Aufschwung

Konjunkturpakete. Um die Wirtschaft zu stützen, greift die Bundesregierung tief in die Tasche. Zur Finanzierung mittelständischer Unternehmer stellt sie 15 Milliarden Euro bereit. Doch Geschenke macht der Staat nicht.

 
 

Der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur bildet neben der Unternehmensfinanzierung den zweiten Schwerpunkt der staatlichen Konjunkturpakete. Straßen und Schienen sollen erneuert werden. Kindergärten, Schulen, Universitäten und andere öffentliche Einrichtungen müssen saniert und das Breitbandnetz auf dem land soll ausgebaut werden. Knapp drei Milliarden Euro stellen Bund und Land allein in Nordhein-Westfalen zur Verfügung.

Und damit die Handwerker möglichst schnell anrücken können, macht der Staat nicht nur Geld locker, sondern lockert bis Ende 2010 auch das Vergaberecht für öffentliche Aufträge. Bei Auftragswerten von bis zu einer Million Euro müssen die Kommunen noch beschränkt ausschreiben. Aufträge unter 100.000 Euro können sie befristet auf zwei Jahre sogar freihändig vergeben.

„Die Anhebung der Wertgrenzen verringert die Transparenz“, warnt Annette Karstedt-Meierrieks, Referatsleiterin Öffentliches Auftragswesen beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Bei freihändiger Vergabe müssen Aufträge nicht mehr in den gängigen Medien veröffentlicht werden. Unternehmen können so kaum noch recherchieren, was geplant ist, um sich gezielt für Aufträge zu bewerben.“ Vielmehr werde es umso wichtiger, persönliche Kontakte zu pflegen und sich direkt bei möglichen öffentlichen Auftraggebern zu empfehlen.

Doch der Aufwand lohnt sich, erläutert Dirk Schäfer, Mitglied der Geschäftsführung und Senior Partner des Düsseldorfer Beratungsunternehmens Kerkhoff Consulting GmbH, im folgenden Interview.

Initiativbanking: Kerkhoff Consulting berät öffentliche Auftraggeber bei Beschaffungs- und Ausschreibungsprozessen. Was sollten Unternehmer beachten? Welche Faktoren entscheiden über Zuschlag oder Absage?

Dirk Schäfer: Zunächst mal ist es wichtig, dass sie die Rahmenbedingungen einhalten und nicht wegen technischer oder bürokratischer Unzulänglichkeiten aussortiert werden. Wenn irgendwo auch nur eine Angabe oder eine Rechnung fehlt, kann das schon das Aus bedeuten. Ansonsten fällt die Entscheidung wie in der Privatwirtschaft: Das Wichtigste ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Preis und Qualität.

Initiativbanking: Es gewinnt also nur, wer mit spitzer Feder kalkuliert?

Dirk Schäfer: Nein. Das Erste, was jeder Auftraggeber bewertet, ist: Kann der Bewerber überhaupt das, was ich von ihm verlange? Wenn er davon nicht überzeugt ist, schaut er sich das Angebot überhaupt nicht weiter an. Wer an allen Ecken und Enden auf Teufel komm raus spart, muss im Zweifel Abstriche bei der Qualität machen. Außerdem sollten Unternehmer ihre Leistungen wirklich nur dann anbieten, wenn sie ihr Kerngeschäft betreffen.

Initiativbanking: Die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen bindet personelle Ressourcen, ohne zunächst Einfluss auf das Geschäftsergebnis zu haben. An welchen Punkten sollten Unternehmer deshalb besonders sorgfältig arbeiten?

Dirk Schäfer: Sie sollten jetzt nicht in Aktionismus verfallen. Es ist sinnvoller, alle Anstrengungen auf zwei oder drei Ausschreibungen zu konzentrieren, statt blindlings 15 Standardangebote abzugeben. Außerdem müssen sie immer auch berücksichtigen: Öffentliche Aufträge sind ein lokaler Wirtschaftsfaktor. Wer sich in seiner Stadt bewirbt, wird bei gleichen Voraussetzungen vermutlich den Vorzug vor einem auswärtigen Anbieter erhalten.

 

Autor: Christian Raschke
© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
www.handelsblatt.com

Impressum & Datenschutz – Kerkhoff Risk & Compliance GmbH – +49 211 6218061-0 – Elisabethstr. 5 – 40217 Düsseldorf